Der Jahreswechsel: Ursprung und Brauchtum zu Silvester.

Silvester ist europaweit die spektakulärste Feier des Jahres. Mit viel Tamtam, leckeren Speisen und lautem Krach verabschieden wir uns mit Familie und Freunden vom vergangenen Jahr und fiebern dem neuen entgegen.
Vollgepackt mit guten Vorsätzen, Plänen und Perspektiven wollen die meisten von uns im neuen Jahr alles ein bisschen besser machen und werden lassen.
Doch welche Wurzeln haben die Bräuche und Glückssymbole rund um Silvester und woher hat das Fest seinen Namen? Warum wünschen wir uns einen guten Rutsch und wieso wird um Mitternacht ein Feuerwerk entzündet?
Eins steht fest: Die Bräuche an Silvester entstammen unterschiedlichen Traditionen und Ursprüngen.

Rote Unterwäsche zum Jahreswechsel
Der Brauch, zum Jahreswechsel rote Dessous zu tragen, ist in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet. Dabei soll es im neuen Jahr jede Menge Glück in der Liebe und viele leidenschaftliche Momente bringen.
Wahrscheinlich hat dieser Brauch seinen Ursprung in der römischen Kaiserzeit unter der Regierungsmacht von Kaiser Augustus, denn in Italien gilt rote Unterwäsche an Silvester als echter Glücksbringer, ebenso in Spanien und Frankreich.
Die rote Wäsche muss allerdings geschenkt worden sein und darf wirklich nur zum Jahreswechsel getragen werden, ansonsten wird das ganze Jahr sehr unglücklich verlaufen.

Der Gute Rutsch zur Jahreswende
Nur im deutschsprachigen Raum ist es verbreitet und üblich, sich einen guten Rutsch ins Neue Jahr zu wünschen.
Abgeleitet ist das Rutschen jedoch nicht vom Schlittern auf dem Glatteis oder dem Rutschen durch den Schornstein, sondern wohl eher vom jüdischen Neujahr Rosch ha Schanah, was soviel bedeutet wie „Anfang/Kopf des Jahres.“
Im Jiddischen gibt es den Neujahrswunsch „A git Rosch“ (einen guten Anfang) – die Ähnlichkeit zum „Guten Rutsch“ ist nicht überhören.
Übrigens: Auch unser deutsches “Hals- und Beinbruch” ist vom jiddischen Ausspruch „Hatsloche un broche” abgeleitet und das wiederum vom hebräischen Segensspruch “Hazlacha uwracha” Das bedeutet so viel wie „Erfolg und Segen (bei Geschäftsabschlüssen und Eheschließungen)“

Die Römer und die Feuerfeste
Schon vor über 2000 Jahren wurde im alten Rom der Jahreswechsel gefeiert. In dieser Zeit, ganz genau 153 vor unserer Zeitrechnung, wurde im damaligen römischen Kalender der erste März auf den ersten Januar verschoben und somit auch die damals üblichen Feuerfeste.
Der christlichen Kirche gefielen die urtümlichen üppigen Feiern der Römer überhaupt nicht, bei denen in einzigartiger Völlerei getanzt, gespeist und getrunken wurde.
Aus dieser Tradition könnte auch das brauchtümliche Anstoßen mit Sekt zu Silvester entstanden sein, ist jedoch nur eine Spekulation von mir.
Ähnliche Feuerfeste zum Jahresende gab es auch bei den Germanen, allerdings nicht ganz so fröhlich wie bei den Römern.

Heidnische Bräuche und das Vertreiben böser Geister
Die Nacht vom 31. Dezember zum ersten Januar gehört zu den wichtigsten Rauhnächten.
Zu Silvester bricht nach alten germanischen, heidnischen Vorstellungen Wotan/Odin, der Kriegs- und Totengott, mit den toten Seelen zur wilden Jagd auf.
Wotan, der rasende Jäger, und Frau Holle, die germanische Erd- und Himmelsgöttin, sausen in hoher Geschwindigkeit mit ihrem schaurigen Gefolge durch die Lüfte und hinterlassen einen kalten, unheimlichen Hauch wie die brausenden Winterstürme.
Da das Geisterreich zu dieser Zeit offensteht, haben die Geister Ausgang und veranstalten stürmische Jagden und gespenstische Umzüge.
Hexen und Dämonen haben besondere magische Kräfte und die Tiere können in dieser Nacht sprechen. So sollen sie voraussagen können, wer im kommenden Jahr stirbt.
Deshalb veranstalteten die heidnischen Vorfahren geräuschvollen Krach und schrilles Geschrei, um die Geister zu vertreiben
Sie entzündeten große Holzräder, die sie brennend in die Täler rollen ließen und benutzten Rasseln und allerlei andere Instrumente, um die wilde Jagd in die Flucht zu schlagen.
Mit der Christianisierung sollte das stürmische Gefolge dann mit Glockengeläut verschreckt werden.
Bis heute gibt es das sogenannte Schreckensgeläut der Kirchenglocken am 25. Dezember vom Einbruch der Dunkelheit bis zur Mitternachtsmesse in regelmäßigen Abständen.
Von diesem Kult, die bösen Geister zu vertreiben, stammt also die heutige Sitte, in der Nacht zur Jahreswende mitternächtlichen Krach zu veranstalten.

Symbolik und Brauchtum rund um Silvester
Ordnung, Sauberkeit und bloß keine Wäsche aufhängen!
Denn wer zu dieser Zeit seine Wäsche auf die Leine hängt, bei dem könnten sich böse Geister oder Dämonen während ihres wilden Rittes darin verfangen.
Auch in Unrat und Unordnung setzen sie sich gerne fest und nicht nur materiell, sondern ebenso seelisch. Wer also glücklich und zufrieden das neue Jahr beginnen will, sollte vorher ein bisschen Inventur betreiben und in seinem Leben aufräumen.
Daher kommt wahrscheinlich auch der allgemein bekannt „gute Vorsatz“.
Am besten wird auch vor dem Jahreswechsel alles Geliehene zurückgebracht und man lässt sich Verliehenes wiedergeben.

Der Blick in die Zukunft – Bleigießen!
Schon die alten Römer nutzten das Bleigießen als Orakel, um in die Zukunft zu schauen.
Dafür wurde ein Klumpen Blei über dem Feuer in einem Löffel geschmolzen und ins kalte Wasser gegossen. Je nach Form gab es Weissagungen für das kommende Jahr.
Heute wird nur noch Wachs geschmolzen, denn mittlerweile ist das Bleigießen aus gesundheitlichen Gründen in Deutschland verboten.
Wer in den skurrilen Formen nicht Geldsegen oder Glück erkennen kann, der sollte sich genau mit dem Schatten der erkalteten Blei- oder Wachsbatzen befassen, um treffsichere Prognosen für das Neue Jahr stellen zu können. 😉

Traditionelle Speisen!
Allen besonders gut bekannt sind die traditionellen Fischgerichte – allem voran der Karpfen.
Der Fisch gilt seit jeher in unseren Gefilden als Fruchtbarkeitssymbol, weil das Tier voll mit Samen ist.
Am meisten verbreitet ist das Silvester-Karpfen-Essen in Schleswig-Holstein und der Lausitz, geläufig unter dem Namen „Karpfen Blau.“
Der Karpfen wird hier vor dem Kochen nicht abgeschuppt und nimmt deshalb eine bläuliche Färbung an. Eine Schuppe des Karpfens wandert allerdings ins Portemonnaie, denn so ist immer genügend Geld darin vorhanden, heißt es im Volksmund.
Der Heringssalat hat auch in manchen Ortschaften den Platz auf dem Silvestertisch erobert. Geschichten zu etwaigem Geld- oder Kindersegen sind jedoch nicht überliefert.

In anderen Regionen Europas, etwa Frankreich oder Italien, wird die Linsensuppe zu Silvester serviert. Dabei soll jede Linse symbolisch für einen „Taler“ im Jahr stehen.
Auch in einigen mittel- und ostdeutschen Regionen ist es üblich, zum Jahreswechsel Linsen- oder Erbsensuppe zu essen für Wohlergehen, Besitz und Fruchtbarkeit.
Wer sie isst, hat im kommenden Jahr immer Kleingeld in der Tasche.
Bleibt von der Suppe etwas übrig, bedeutet dies, dass man im neuen Jahr keine Hungersnot leiden muss.
Kurzgefasst: Den Teller darfst du auslöffeln, den Topf jedoch nicht. 😉

Vermögen und Reichtum durch Sauerkraut und Suppe – dieser Brauch ist vor allem im rheinischen Raum verbreitet. Es gibt soviel Geld im kommenden Jahr, wie Kraut im Topf ist.

In manchen Regionen Kreppel oder Pfannkuchen, in Berlin und Brandenburg Krapfen: Das köstliche in Fett ausgebackene Gebäck mit Marmelade im Inneren gehört hier zum Silvesterabend als Nachtisch dazu.
So wie auch zum Fasching wird einer der Pfannkuchen mit Senf statt mit Marmelade gefüllt.
Wer den abbekommt und hineinbeißt, sorgt zumindest bei allen anderen für gute Laune und Gelächter.

Schweinefleisch gibt es Silvester auf vielen Tischen zu finden, ob beim Raclette oder dem Fondue.
Wer in früheren Zeiten ein Schwein schlachtete, konnte sich eine ganze Weile davon ernähren.
So gilt das Schwein auch als Glückssymbol schlechthin, selbst der Ausspruch „Schwein gehabt!“ (für ganz besonders glückliche Situationen) hat dort aller Wahrscheinlichkeit nach seinem Ursprung.
Das Schwein bringt Glück, Erfolg und Reichtum; bei den alten Germanen galt das Schwein als Symbol für Ernte- und Kindersegen.
Noch heute gibt es Figürchen und Bildchen mit dem besagten „Glücksschwein“ – es ist das Silvester-Symbol schlechthin.

Der Glücksbringer Fliegenpilz!
Der Ursprung des Fliegenpilzes als typisches Glückssymbol ist heute nicht mehr bekannt.
Jedoch wird angenommen, dass in kalten Wintern unsere heidnischen Vorfahren
ihr Bewusstsein erweiterten, um ihren Göttern nahe zu sein, indem sie kleine Mengen an Fliegenpilzen aßen.
Da könnte es schon ein Glücksfall gewesen sein, so einen schönen leuchtenden Pilz im Wald zu finden. Ob die Herleitung wirklich mit dem Glückssymbol zu tun hat, ist aber eine reine Vermutung.

Einmal berühren: Der Schornsteinfeger!
Das Feuer galt in verschiedenen Kulturen schon immer als heilige Stätte.
Von der Feuerstelle stieg Rauch nach oben, in das Reich der Götter und das galt später auch für die Kamine. Der Schornsteinfeger galt aller Wahrscheinlichkeit nach als Mittelsmann zwischen der irdischen und göttlichen Welt und sorgte außerdem für einen sauberen „Kanal“ Richtung Himmel. 😉
Im Grunde putzte er die Schornsteine jedoch, damit das Kochen wieder möglich war und Essen macht ja irgendwie auch glücklich.
Vielleicht wurde er aber auch zum Glücksbringer, weil er rußig war.
Der Ruß gilt seit ewigen Zeiten in deutschen Regionen als Glückssymbol – zum Beispiel am rußigen Freitag in der Faschingszeit vor Aschermittwoch.

Das Glückssymbol schlechthin: Vierblättriges Kleeblatt!
Vierblättrige Kleeblätter bringen Glück, dass weiß hier wirklich jedes Kind – allerdings nur selbst gepflückt!
Seit jeher wurde vielen Pflanzen heilende und spirituelle Wirkung nachgesagt und der Klee soll bei Verdauungsproblemen helfen.
Das Immunsystem sitzt bekanntlich im Darm und was ist schöner, als stets gesund und munter zu sein?
Sehr viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass die vier Blätter symbolisch Glück verheißen.
Denn so wie die Zahl Vier für das Globale und Irdische steht, zeigt sie auch die Zahl der Himmelsrichtungen an und somit der kosmischen Ganzheit.
Vier symbolisiert die Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft; für die Lebensphasen Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter; aber auch für die vier Jahreszeiten.
Die Zahl vier kommt sehr oft im biblischen Geschehen vor und Eva soll es aus dem Garten Eden mitgenommen haben, so dass es geradezu göttliche Symbolkraft hat.
Somit steht die Zahl Vier für das Allumfassende, Harmonisierende und immer Wiederkehrende in dieser Welt.

Silvester als kirchlicher Feiertag
Geht es nach den Christen, so ist Silvester ein kirchlicher Feiertag.
Der Tagesheilige zum Jahreswechsel entspricht nach dem Kalender der römisch-katholischen Kirche dem Papst Silvester I. Sein Todestag ist der am 31. Dezember 335.
Das Fest zum Jahreswechsel heißt jedoch erst seit dem 16. Jahrhundert Silvester.
1582 wurde der letzte Tag des Jahres vom 24. Dezember – also Heilig Abend – auf den 31. Dezember verschoben, zu Ehren des bekannten Kirchenoberhauptes.
Die Bedeutung des Wortes Silvester ist auch interessant. Der lateinische Vorname kann übersetzt werden mit „Waldbewohner“ oder „der zum Wald Gehörende“.
Das passt schlussendlich ja auch irgendwie zu unseren naturnahen heidnischen Vorfahren. 😉

Ich wünsche meinen Lesern, Kunden und Kollegen einen guten Rutsch ins Neue Jahr, verbunden mit ganz vielen lieben Wünschen für die Familien und Angehörigen!

Schubert Text & Medien

Quelle: Recherche
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