Wir brauchen mehr unabhängige Lokalreporter

Wir brauchen mehr unabhängige Lokalreporter

Was unsere Gegend und deren Lokalpolitik anbetrifft, liegt mir so manches auf dem Herzen, was ich als freiberufliche Journalistin nicht so ohne Weiteres veröffentlichen kann, bevor nicht alle Recherchen abgeschlossen sind und alles Hand und Fuß hat.
Auf den Dörfchen und in den Kleinstädten wird ja schließlich ein ganz eigenes Süppchen gekocht.
‘Man’ kennt sich, Kinder gehen vielleicht zusammen zur Schule oder man trifft jemanden, dessen Hund mit deinem Hund rumtobt.
Woher zum Geier sollst du denn wissen, das diese/r oder jene/r irgendwann auf die Idee kommt, politisch aktiv zu werden?
Vielleicht sogar mit Inhalten, die dir persönlich so gar nicht gefallen?
Am allermeisten hatte ich immer Angst davor, jemanden kennenzulernen, bei dem sich irgendwann herausstellt, dass er/sie radikal ist.
Im schlimmsten Falle rechtsextrem.
Doch die Erfahrung musste ich schon machen- und habe darüber geschrieben.

Denn das ist mein Job und ich mache ihn mit Leidenschaft.

Theoretisch müsste es jedoch viel mehr Blogger oder Lokalreporter geben, die sich trauen, solche Geschichten an die Öffentlichkeit zu bringen.
Besonders beeindruckend finde ich sogenannte Bürgerreporter, die ähnlich wie Blogger über lokale Geschehnisse berichten.

Denn wenn im Kleinen schon alle solche Dinge passieren, wenn lokale Politiker arrogant, zwielichtig oder eben auch radikalisiert sind, dann funktioniert doch auch Demokratie im Kleinen nicht.
Oder ist es eine Illusion, dass das Volk Mitspracherecht hat?

In Zeiten von Internet bilden sich heutzutage viele interaktive lokale Gruppen in den sozialen Netzwerken, die sich austauschen und mitgestalten wollen.
Aber wer fängt diese Stimmungen auf und trägt sie in die Öffentlichkeit, wenn nicht Bürgerreporter oder aber lokale Journalisten?
Die Frage ist, haben wir genügend davon auf ‘dem Land’?

Die großen Medienunternehmen rutschen immer weiter aus dem ländlichen Raum weg, schließen Standorte, weil es sich nicht rentiert und deren lokale Reporter schreiben husch, husch was zusammen.
Schließlich ist Zeit Geld, und gut zu klicken muss die Überschrift auch sein.
Die Recherche darf nicht zuviel Geld kosten und dementsprechend nicht ‘zu tief gehen’.

Bei Bürgerreportern – oder soll ich sagen, Graswurzeljournalisten – sieht die Sache anders aus.
Sie kennen Land und Leute, lieben ihre Region und könnten wunderbar berichten.
Doch es gibt da zwei große Schwierigkeiten.

Die erste ist natürlich das Abgrenzen.
Wer im ländlichen Raum kritisch berichtet, kann geschätzt oder aber auch angefeindet werden.
Je nachdem, wo er/sie herumstöbert, ist das bis ins Extrem möglich.
Fans sind da manchmal genauso stressig wie der erzürnte Lokalpolitiker.
Ich persönlich habe damit wenig Probleme und kann ganz gut differenzieren.
Generell wäre es aber prima, wenn es da für mutige Lokalreporter ohne Lobby von Journalistenverbänden Schulungen gäbe – zu einem fairen Preis natürlich.

Die zweite Sache ist die rechtliche.
Erst kürzlich wurde eine Bürgerreporterin hier im Umkreis verklagt, weil sie kritisch über einen Regionalverband von Kleingärtnern berichtete.
Der Rechtsschutz ist sehr mau, wenn diese lokalen Schreiberlinge in keinem Journalistenverband (ich bin beispielsweise im DJV Sachsen) sind.
Dafür müssten sie aber wie ich hauptberuflich tätig sein und das sind sie meistens eben nicht.
Die Wertschätzung kommt da oft zu kurz.

Um umfassend frei schreiben und berichten zu können, gehört ein guter Rechtsschutz aber gerade im lokalen Bereich einfach dazu!
Da muss sich dringend was ändern!

Die herkömmliche Presse hat heutzutage keinen leichten Stand. Es entstehen neue Medienformen und vor allem interaktive Journalisten (wie ich 😜) haben es für die Zukunft gesehen leichter.

Wir sind regional unterwegs, nah an den Themen dran, fit und flexibel. Alte Pressestrukturen werden aufgebrochen und etwas ganz Einzigartiges Neues etabliert.

Es wird wirklich Zeit, den Bürgerreportern, Medienportalen, Bloggern und unabhängigen Lokaljournalisten mehr Aufmerksamkeit zu widmen! Denn hier leben die richtigen lokalen Themen auf!

 

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